Bisonzucht- und Haltung in der Pfalz - Hanns-Josef de Graaff

Bison und Wisent

Abbildung 16: Bison und Wisent (GUTHRIE, 1990)
     

Die Unterschiede im Habitus zwischen Bison und Wisent sind nicht nur im Skelett begründet, sondern viel wesentlicher in der Haltung (vgl. Abb. 14), Bemuskelung und Behaarung.

Abbildung 14: Körperhaltung (GUTHRIE 1990)Der Widerrist ist bei beiden Arten stark ausgeprägt. Durch die Beinstellung wird die Rückenlinie beeinflußt, die beim Wisent eher geradlinig abfällt. Der Wisent stellt die Vorderbeine senkrecht und die Hinterfüße rückwärts, dadurch biegt sich die Rückenlinie leicht S-förmig. Der Bison steht oft "unter sich", d.h. er stellt nicht nur die stark gewinkelten Hinterbeine, sondern auch noch die Vorderbeine unter den Rumpf. Dieser enge Stand der Fußpaare bedingt eine Spannung der Rückenlinie, die den "Karpfenrücken" ergibt, welcher bei Bisonkühen auffälliger ist als bei den Bullen, deren höherer Widerrist ausgleichend wirkt. Vorn und hinten steht der Bison breitbeinig "über viel Boden", während der Wisent die Hinter- und Vorderfüße ganz eng aneinander setzt.

Von vorn und besonders von hinten gesehen zeigt sich der schmalere Körperbau und die schwächere Bemuskelung des Wisents. Zwar sind die Unterschenkel des Bisons geringer bemuskelt, aber Oberschenkel- und Steißbeinbereich sind stärker ausgeprägt. Ferner liegt beim Bison der Schwanzansatz tiefer, so daß sich für seine Seitenansicht die "abgeschlagene" Hinterhand ergibt und auch deshalb seine Rückansicht breiter als beim Wisent ist (MOHR, 1952).

Der rammsnasige Kopf des Bisons ist massiger, breitstirniger und tiefer getragen als beim Wisent. Seine Ohren sind länger, die Hörner sind bedeutend stärker, an der Wurzel dicker, an der Spitze stumpfer und weniger nach innen gebogen als die des Wisents (vgl. Abb.16). Im Vergleich zum Wisent sind die Beine des Bison relativ kurz und sehr schlank, die Hufe sind klein und rund (JAHN, 1974).

Abbildung 17: Schwanzlänge der Bisonarten (GUTHRIE, 1990)Der mit einer Quaste versehene Schwanz des Bisons ist sehr kurz und endet oberhalb des Sprunggelenkes, beim Wisent hingegen reicht das Schwanzende über die Sprunggelenke (vgl. Abb. 17). Außerdem besitzt der Schwanz des Wisents keine eigentliche Quaste, sondern besteht aus längeren Haaren (MOHR, 1952).

 

Besonders charakteristisch ist die eigentümliche Behaarung des Bisons. Die langen gekräuselten Haare des Vorderkörpers können im Winter bis zu 50 cm messen. Zwischen den Hörnern bilden sie eine dichte Kappe, die als Kippmähne oder aufrecht stehend geformt ist. Am Kinn sind sie als Bart und an der Wamme als Hängemähne ausgebildet. Der Hinterkörper trägt ein kurzes, dichtes Haarkleid. Die graubraune Färbung geht an Kopf, Hals und Wamme in einen schwarzbraunen Farbton über (KLÖS, 1968). Der Wisent dagegen ist einheitlicher fahlgraubraun mit dunklen Leithaaren gefärbt. Sein Fell besteht aus einem dichten Wollfilz, dessen Haare sich ähnlich dem Bison zum Vorderkörper hin verlängern und über der Stirn als Kippmähne bzw. Stirnlocke hängen, dabei aber nur eine Länge von 20 cm erreichen.

Beim Haarwechsel löst sich die Unterwolle und hängt in großen Filzklumpen am Fell, bis sie abgestreift wird (JAHN, 1974).

Hanns-Josef de Graaff
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